Die Stadtverwaltung twittert

Nicht nur US-amerikanische Präsidenten können die Mikroblogging-Plattform Twitter nutzen, um Botschaften unter BürgerInnen zu bringen und mit diesen zu interagieren. Auch für Verwaltungsbedienstete in Österreich bietet die Nutzung von Twitter eine Menge Vorteile und Möglichkeiten. Allerdings müssen auch Dinge beachtet und Fehler vermieden werden.

280 Zeichen Information, Spannung, Kommentare, Feedback, Nettigkeiten, Hass, Spaß, Wahnsinn – das alles bieten sich die weltweit Millionen Twitter-NutzerInnen gegenseitig. Und das durchschnittlich 6000-mal pro Sekunde[1]. Twitter (engl. für „Gezwitscher) ist ein webbasierter Microblogging-Dienst des US-amerikanischen Unternehmens Twitter Inc., der 2006 gegründet wurde.

Registrierte UserInnen können auf der Plattform kurze Texte (max. 280 Zeichen) veröffentlichen. Diese Texte sind für alle sichtbar – allerdings muss eine bestimmte Nachricht erstmal gefunden werden. Gar nicht so einfach, schließlich werden jährlich 500 Millionen Tweets von 310 Millionen aktiven UserInnen „produziert“[2]. Um Struktur in die schnelle Welt des Microbloggings zu bringen, kann man anderen NutzerInnen „folgen“ und bekommt deren Tweets in seine eigene „Timeline“ (vergleichbar mit dem Newsfeed auf Facebook) gespült. Zur Interaktion mit anderen UserInnen sind Kommentare oder Antworten auf andere Tweets möglich – so können Unterhaltungen mit verschiedenen Personen durch das Erwähnen der jeweils anderen Person (heute zum Teil automatisiert) geführt werden. Außerdem können Tweets geliked (mit einem Herz markiert) und „retweetet“ werden, also quasi kopiert – so kann man den Tweet einer anderen Person unter den eigenen Followern (den Personen, die einem folgen) verbreiten.

Wofür wird Twitter nun eigentlich verwendet? Die UserInnen von Twitter sind ebenso vielfältig wie ihre Beweggründe den Mikrobloggingdienst zu verwenden. Auf Twitter findet man Prominente wie SportlerInnen, Filmstars, PolitikerInnen, KünstlerInnen, JournalistInnen ebenso wie einfache Menschen, die vielleicht sogar durch ihre Aktivitäten auf der Plattform Bekanntheit erlangen. Neben Personen finden sich auf Twitter auch Organisationen wie Parteien, Fußballclubs, NGOs, ja sogar Zeitungen. Oftmals wird in Zusammenhang mit der Plattform Twitter von so genannten „Bubbels“, also Blasen, gesprochen, in denen sich NutzerInnen mit denselben Interessen oder aus demselben Land aufhalten. In welche Twitter-Blase man eintauchen möchte, kann man selbst entscheiden. Interessiert man sich z.B. in erster Linie für einen bestimmten Sport, kann man entsprechenden SpielerInnen, Vereinen, JournalistInnen, anderen interessierten UserInnen usw. folgen und in der persönlichen Twitter-Timeline wird es um nichts anderes als diesen Sport gehen.

Die österreichische „Twitteria“, also Twitter-Blase oder -Community ist recht überschaubar. Österreichweit gibt es nur ca. 150.000 Accounts. Sie besteht vor allem aus JournalistInnen, Medien- und MeinungsmacherInnen sowie aus PolitikerInnen und politischen Organisationen. Hier gibt es nicht selten thematische Überschneidungen mit der Arbeit der öffentlichen Verwaltung oder dem städtischen Kontext. Auf Twitter wird sehr viel Meinung „gemacht“, und es ist von Vorteil mitzumachen. Wird zum Beispiel über eine bestimmtes Thema in Zusammenhang mit der eigenen Stadt diskutiert, ist es von Vorteil, wenn man als InsiderIn mitdiskutieren kann.

Viele UserInnen nutzen Twitter vor allem, um sich zu informieren. Durch die Schnellebigkeit des Mediums und durch die Präsenz von vielen Interessierten und gut informierten Personen finden sich viele Neuigkeiten zuallererst auf Twitter. Auch als Stadtverwaltung ist es deshalb sinnvoll, diesen wertvollen Informationskanal zu nützen, sowohl aktiv als auch passiv. So kann man z.B. auch als MultiplikatorIn für Initiativen oder Veranstaltungen der eigenen Stadt auftreten.

Nicht zuletzt ist Twitter aber auch ein ideales Medium, um sich als offene und transparente Stadtverwaltung zu zeigen, welche die Öffentlichkeit nicht scheut. Über Twitter kann man Kontakt zu verschiedensten Communities pflegen, über den eigenen Alltag informieren oder wie bereits erwähnt mitdiskutieren und so Stellung zu relevanten Themen beziehen.

Allerdings gilt es auch auf einige Dinge zu achten und Fehler zu vermeiden, wenn man als Stadtverwaltung Twitter nutzen möchte. Twitter ist ein hochinteraktives und schnelles Medium. Es kommt daher darauf an, zügig und kompetent auf Anfragen zu antworten bzw. Themen aufzugreifen, die sich gerade auf der Plattform verbreiten. Man sollte sich seiner beruflichen Verantwortung stets bewusst sein und die nötige Seriosität mitbringen, sachlich bleiben, einen kühlen Kopf bewahren und aktive Kritik vermeiden. Aufgrund der hohen Dichte an PolitikerInnen, politischen Organisationen und politischen Themen benötigt man ein hohes Maß an Sensibilität, um der Stadtpolitik nicht in die Quere zu kommen. Das gilt nicht nur für eigene Tweets, sondern auch für Likes und Retweets.

Bei Abwägung aller Vor- und Nachteile bietet Twitter für Führungskräfte in der Verwaltung aber wohl mehr Chancen als Gefahren. Davon sind jedenfalls Ulrike Huemer, CIO der Stadt Wien, und Martin Haidvogl, Magistratsdirektor der Stadt Graz, überzeugt. Sie haben daher beim Fiv-Themenforum am 17. Jänner die zahlreich erschienenen Führungskräfte zur Nachahmung aufgefordert; und auch dazu @UlrikeHuemer und @MartinHaidvogl zu folgen. 😉

[1] https://www.brandwatch.com/de/2016/06/44-twitter-statistiken-fuer-2016/

[2] https://www.brandwatch.com/de/2016/06/44-twitter-statistiken-fuer-2016/

 


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