140. Themenforum: Digitalisierung, Userzentrierung und Arbeitskultur

Fachinput über Digitalisierung, Userzentrierung und Arbeitskultur von Univ.-Prof. Mag. Dr. Peter Parycek
Nachlese vom 29. Jänner am Erste Campus, Am Belvedere – Elisabeth Hirt

Magistratsdirektor Erich Hechtner begrüßte die Gäste diesmal am Erste Campus zum Thema „Digitalisierung, Userzentierung und Arbeitskultur“ und bedankte sich bei Christoph Mühlbacher-Blum von der Erste Bank für die Gastfreundschaft. Dieser betonte, dass George, das Net-Banking der Ersten vor fünf Jahren eingeführt wurde und heute bereits acht von zehn KundInnen die Überweisungen am Handy erledigten.

Dieser Hinweis führte direkt zum Vortrag von Peter Parycek, dem Leiter des Departments für E-Governance in Wirtschaft und Verwaltung an der Donau-Uni Krems, der unter anderem auch Mitglied des Digitalisierungs-Beirats der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel ist.

Er stellte zu Beginn fest, dass es Zeiten gebe, in denen Veränderung nicht passiere, aber auch Zeiten, in denen Veränderung schneller passiere als erwartet. So habe beispielsweise die Verwaltung in den vergangenen fünf bis sieben Jahren einen „disruptiven Stress“ erlebt. Er betonte auch, dass Gesellschaft heute mit Technologie gebaut werden könne, Organisation sei dazu keine notwendig. Früher brauchte es außerdem Interessenvertretungen, heute gehe beispielsweise mit einer Bewegung wie „Friday for Futur“ alles sehr schnell. Für die Verwaltung würden daher die Anforderungen bei größeren Projekten immer umfangreicher.

Als Beispiel für Veränderung nannte er George, das Net-Banking der Ersten Bank, das außerhalb der IT-Abteilung des Unternehmens entstanden sei. Es seien dabei autonome Entscheidungen direkt bei den KundInnen gefällt worden. Ebenso seien Produkte aus der Start-up-Szene userfreundlich, datengetrieben. Das heißt, die ersten Funktionalitäten müssten innerhalb weniger Wochen vorhanden seien. Danach gebe es eine fortlaufende Weiterentwicklung. Parycek stellte dabei „nicht die Fehlerkultur, sondern die Lernkultur“ einer Verwaltung in den Mittelpunkt. Der Erfolg sei nun messbar: in Tagen beziehungsweise Wochen. Das Wichtigste seien selbstständige Teams und die Entscheidungsfreiheit, wie ein Projekt umgesetzt werde.

Der Gesetzgebungsprozess hingegen ist laut Parycek bisher von klassischen Legistinnen und Legisten geprägt gewesen; wichtig seien nun aber andere Sichtweisen, etwa ob ein Gesetz automatisierbar sei. In Dänemark zum Beispiel würden Gesetze mittels Datenpunkten geschrieben; zudem seien sieben Prinzipien für digitalisierungsfreundliche Gesetze beschlossen worden. Laut Parycek gebe es im österreichischen Finanzministerium gute Beispiele für vollautomatisierte Verfahren. Auch der Sozialbereich könnte viel userzentrierter gestaltet werden. So könnte beispielsweise in Sekunden ermittelt werden, ob eine Person Anspruch auf eine bestimmte Sozialleistung hätte.

Fazit: Die Rechtswissenschaft müsse offen auf die Informatik zugehen und datenbasierte Information sei das neue „Gold“. Denn Daten würden durch Teilung wesentlich mehr wert. Das Bild aus dem Industriezeitalter, wenn der Goldbarren geteilt werde, wird er weniger wert, gelte nicht mehr.

Zum Abschluss gab Parycek Einblick in den Digitalisierungs-Beirat von Angela Merkel. Dieser produziere keine Papiere,  die BeirätInnen stünden in direktem Dialog mit der Kanzlerin, nicht aber mit der Presse.

Abschließend plädierte Parycek für rechtliche Testlabore, flexible Methoden und eine hohe Selbstverantwortung. Wie die Zukunft aussehen soll, sei Aufgabe der Regierungen, sagte Parycek.

Die Ausführungen von Parycek lösten eine interessante Diskussion mit zahlreichen Fragen und Wortmeldungen aus. FIV-Präsident Erich Hechtner etwa nahm für sich zahlreiche Denkanstöße mit: etwa die Themen automatisierte Gesetze sowie die Arbeitsweise und Auswahl von Beiräten. Zahlreiche weitere Wortmeldungen zeigten klar, dass hier ein Nerv getroffen wurde: Der Spagat zwischen Open Data und Datenschutz, das Thema der Gründungen, das Verhältnis zwischen Europa und den USA beziehungsweise China oder auch das Thema „Künstliche Intelligenz“ spannten den thematischen Bogen und bildeten somit auch den Übergang zu lockeren Netzwerk-Gesprächen am Buffet.


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