141. FIV-Themenforum

Eine blassblaue Frauenhandschrift von Franz Werfel

Lesung mit Chris Pichler in der Wohnung Boskovits von Adolf Loos
Begrüßung durch FIV-Vizepräsident Mag. Klaus Hartmann und Mag.a Dr.in Anita Eichinger, MA, Leiterin der Wienbibliothek im Rathaus.

Nachlese vom 19. Februar 2020 – Elisabeth Hirt

In der wunderschönen und historisch wertvollen Adolf Loos-Wohnung des jüdischen Industriellen Friedrich Boskovits in der Bartensteingasse in Wien, die heute zur Wienbibliothek gehört, begrüßte deren Leiterin Anita Eichinger die Mitglieder des Forums Innovative Verwaltung. Die Abteilungsleiterin hob die Plakatsammlung der Wienbibliothek hervor, die eine der größten weltweit ist, und betonte, dass auch Werke von Franz Werfel im Bestand der Bibliothek seien.

Noch heuer wird eine Loos-Ausstellung eröffnet und damit der 150-jährige Geburtstag des bedeutsamen Architekten gewürdigt, gab sie einen Ausblick auf kommende Aktivitäten. FIV-Vizepräsident Klaus Hartmann stellte die Schauspielerin und Sängerin Chris Pichler vor, die grandios aus Franz Werfels „Eine blassblaue Handschrift“ las.

Das Buch kurz skizziert: Im Mittelpunkt des Werks steht der 50-jährige Leonidas, Sektionschef im Kultusministerium, der auf sein Leben zurückblickt. Dabei geht es um seine Ehe mit der reichen Amelie; seine vor vielen Jahren stattgefundene Affäre mit der Jüdin Vera und dem gemeinsamen nach zwei Jahren verstorbenen Sohn – von dem Leonidas erst viel später erfährt – und um die Bitte Veras, den jüdischen Sohn einer verstorbenen Freundin an einem Wiener Gymnasium unterzubringen. Es geht aber auch um das Wien zu der Zeit kurz vor dem Anschluss an das Deutsche Reich, Antisemitismus und Nazitum; das Leben der gehobenen Gesellschaft in Wien und natürlich um die Verwaltung, die Gepflogenheiten ihrer Beamten und das Zusammenspiel mit Politikern.

Der Höhepunkt des Abends: Klaus Hartmann und Chris Pichler lesen gemeinsam und heiter einige Szenen aus dem Buch, worin es um die Spitzfindigkeiten des Beamtentums geht: um die Verleihung eines Ehrenkreuzes und des Titels „Hofrat“, um das Verhältnis zum damaligen Minister – denn „es sei nicht Sache des Beamtentums, mit offenem Visier zu kämpfen“ – und um den dem Beamten zustehenden Schlaf nach dem Mittagsmahl. Damals wie heute spannend, witzig und facettenreich.

Hartmann ergänzte zum Abschluss die Unterschiede zum gleichnamigen Film von Axel Corti.

Da den FIV-Mitgliedern dankenswerterweise einige Exemplare des Buches zur Verfügung gestellt wurden, endete der gelungene Abend mit viel Schmunzeln und Lust am Weiterlesen dieser Erzählung aus dem Jahr 1941.


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