Das 167. Themenforum des FIV fand am 24. September 2025 im Festsaal des Schlosses Hetzendorf statt, wo auch die berühmte Wiener Modeschule Hetzendorf beheimatet ist. Die feierliche Umgebung des Barockschlosses bildete den Rahmen für die Auseinandersetzung mit einem Thema, das für die Zukunft von großer Bedeutung ist: „Resilienz in der öffentlichen Verwaltung“. Nach einer Führung durch das Schloss und die Schulräume, begrüßte die Schuldirektorin Monika Kycelt alle Anwesenden sehr herzlich. Im Anschluss daran stellte Martin Bodenstorfer von EY-Parthenon die Ergebnisse einer Studie zur Resilienz vor, die auf 18 Interviews mit FIV-Präsidiumsmitglieder und 37 von FIV-Mitgliedern vollständig ausgefüllten online-Fragebögen beruht.
Gleich zu Beginn wurde die Frage gestellt, warum Resilienz in der Verwaltung unverzichtbar sei. Die Antworten machten deutlich, dass es darum geht, auf ein breites Spektrum möglicher Krisen vorbereitet zu sein – von geopolitischen Konflikten über Epidemien und Naturkatastrophen bis hin zu Regierungskrisen, Budgetknappheit oder Personalmangel. Resilienz wird in der Verwaltung unterschiedlich interpretiert, am häufigsten genannt wurden Widerstandsfähigkeit, Handlungsfähigkeit und Flexibilität. Entscheidend seiendarüber hinaus eine starke Führung mit klaren Strukturen und Kommunikation, eine tragfähige Organisationskultur mit Vertrauen und Fehlerkultur sowie gut ausgebildetes Personal.
Die Studie hob auch Maßnahmen hervor, die sich in Krisen bewährt haben: kurze Entscheidungswege, rasches Einrichten von Krisenstäben, Notfallpläne, redundante Kommunikationskanäle sowie eine enge Zusammenarbeit mit Politik und Einsatzorganisationen. Digitalisierung und IT-Sicherheit wurden als zweischneidiges Schwert beschrieben: Einerseits steigern Homeoffice und Videokonferenzen die Flexibilität, andererseits erhöhen sie die Abhängigkeit von IT-Systemen und die Gefahr von Cyberangriffen.
In der anschließenden Diskussion, moderiert vom OÖ LAD Thomas Schäffer, wurden die Ergebnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Auf die Frage, ob sie von den Ergebnissen überrascht war, antwortete Brigitte Straka-Lang, Geschäftsführerin des EnergieunternehmensTAG GmbH mit „nein“; sie sah sich jedoch darin bestätigt, dass Resilienz ein Thema ist, das alle betrifft und man stets auf ein starkes Team setzen sollte. Sie machte auch auf den Widerspruch zwischen gesteigerter Resilienz durch Homeoffice und den neuen Risiken im Bereich Cybersecurityaufmerksam. Außerdem betonte sie, dass man durch die Lerneffekte vergangener Krisen immer an Resilienz dazugewinnen könne.
Paul Hellmeier, Betriebsvorstand von Wiener Wasser bei der Stadt Wien (MA 31), unterstrich, dass Resilienz vor allem eine Frage der Vorbereitung sei. Wiener Wasser setze daher konsequent auf Krisenmanagement, um die Versorgung auch in Ausnahmesituationen sicherzustellen. Auch Themen wie Transparenz und gelegentliche Perspektivenwechsel können zu mehr Resilienz innerhalb von Organisationen führen, weshalb er diese Vorgehensweise empfehlen kann. Die dargelegte umfassende Vorgehensweise von Wiener Wasser führe zu mehr Transparenz in alle Richtungen, baut damit Vertrauen auf und verstärkt somit massiv die Resilienz seines Betriebs.
Erich Csitkovits, Kommandant der Landesverteidigungsakademie, hob hervor, dass man sich im Vorfeld mit allen denkbaren Szenarien auseinandersetzen müsse. Eine Anpassung an Krisen sei notwendig, gleichzeitig müssten die Kernfunktionen des Staates stets gewährleistet bleiben. Nur wenn Stabilität gewahrt wird, bleibt das Vertrauen der Bevölkerung bestehen Er betonte die vier Bestandteile der umfassenden Landesverteidigung, also neben der militärischen auch die zivile, die wirtschaftliche und die geistige. Alle vier sind zentral, um die Resilienz des Staates zu gewährleisten.
Christian Horak, Managing Partner bei EY-Parthenon, beschrieb Resilienz als Balanceakt: Die Verwaltung müsse gleichermaßen Fels in der Brandung wie auch flexibel und anpassungsfähig sein. Er identifizierte drei Schritte, um Resilienz zu stärken: Stammdaten konsolidieren, in Soft Skills und junge Führungskräfte investieren sowie Ressourcenmanagement (das die Lehren vergangener Krisen berücksichtigt) betreiben. Zudem sei die Organisationskultur unverzichtbar, um Widerstandskraft nachhaltig zu verankern.
Die lebhafte FiV–Diskussion machte deutlich, dass Resilienz weit mehr ist als Krisenfestigkeit. Sie entsteht aus Vorbereitung, Anpassungsfähigkeit und Vertrauen und wird nur durch das Zusammenspiel von Führung, Organisation und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lebendig. Der Abend bot nicht nur wertvolle Erkenntnisse, sondern auch Gelegenheit zu anregendem Austausch im besonderen Ambiente des Schlosses Hetzendorf.
von Lona Weis




