Am Mittwoch, den 4. März 2026, fand der 20. Clubabend des Führungsforums Innovative Verwaltung in der Business Lounge des Oberösterreich-Hauses der Raiffeisenlandesbank OÖ AG statt. Im 6. Stock, hoch über den Dächern des ersten Wiener Bezirks, bot die Location den perfekten Rahmen für einen Abend, der finanzpolitische Weichenstellungen in den Fokus rückte.
Nach den Grußworten der Gastgeberin Michaela Keplinger-Mitterlehner, Generaldirektor-Stellvertreterin der RLB OÖ, führte FiV-Präsident Werner Trock in das Programm ein. Er bedankte sich für die Gastfreundschaft und begrüßte vor vollem Saal den Gast des Abends, Bundesfinanzminister Markus Marterbauer.
Durch das anschließende Gespräch führten Maria Ulmer, Sektionsleiterin für Budget im Finanzministerium, und Edeltraud Glettler, Sektionsleiterin für Europäische, internationale und sozialpolitische Grundsatzfragen im Sozialministerium (BMASGPK).
Zu Beginn wurde der Blick auf den beruflichen Weg des Ministers gelenkt: Marterbauer ist studierter Volkswirt, war an der WU Wien tätig, arbeitete am WIFO und später als Chefökonom der Arbeiterkammer Wien. Zudem war er Vizepräsident des Fiskalrats. Seit März 2025 ist er Bundesminister für Finanzen. Den Schritt aus Forschung und sozialpartnerschaftlichen Institutionen in die Regierungsverantwortung beschreibt er als Wechsel in eine ganz neue Welt, wobei er durch seine bisherigen Stationen inhaltlich bestens vorbereitet war.
Das Hauptaugenmerk des Abends lag auf Budgetpolitik und auf Sanierung des Staatshaushalts in einer volatilen geopolitischen Lage. Marterbauer verwies auf die Unsicherheit von Prognosen und auf den bevorstehenden Budgetprozess: Die Budgetrede im Nationalrat zum Doppelbudget 2027/2028 ist für den 10. Juni 2026 vorgesehen. Insbesondere Entwicklungen im Nahen Osten, etwa die Lage im Iran, würden die Planungssicherheiterschweren, unter anderem mit Blick auf Inflation und Konsolidierungserfolge. Gleichzeitig plädierte Marterbauerfür ein selbstbewussteres Auftreten Österreichs und Europas und nannte strategische Themen wie den digitalen Euro sowie Investitionen in Sozialstaat und öffentliche Infrastruktur als zentrale Zukunftsfragen.
An der Schnittstelle von Politik und Verwaltung hob Marterbauer die Bedeutung wechselseitiger Wertschätzung hervor und betonte die exzellente Fachexpertise in den Abteilungen der Ministerien sowie den laufenden Austausch. Für die Verwaltung der Zukunft sehe er vor allem strukturelle Effizienzpotenziale in der Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg und in der zwischenministeriellen Kooperation.
Mit Blick auf das Doppelbudget 2027/2028 sprach Marterbauer von der Notwendigkeit, den eingeschlagenen Kurs konsequent fortzusetzen, auch wenn die Situation weiterhin aus vielerlei Gründen herausfordernd ist und wohl auch bleibt. Ziel sei nicht die Konsolidierung um ihrer selbst willen, sondern kluge Budgetpolitik, um Spielräume zu schaffen. So sollen öffentliche Mittel nicht für Zinszahlungen aufgewendet werden, sondern für Bildung, Gesundheit und Zukunftsaufgaben zur Verfügung stehen.
In der darauffolgenden offenen Diskussion nutzten die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit für Fragen und vertiefenden Austausch, unter anderem zur Reformpartnerschaft, zu Debatten rund um Spar- und Konsolidierungsnarrativen sowie zur Höhe der staatlichen Ausgabenquote. Im Anschluss klang der Clubabend in gewohnt persönlicher Atmosphäre aus – ganz im Sinne des FiV: als Forum, das Perspektiven zusammenführt und den Dialog zwischen Verwaltung und Politik mitgestaltet.




