Wirtschaft und Verwaltung im Zusammenspiel: Mehr Mut, klare Verantwortung und schnellere Verfahren

Im Anschluss an die Generalversammlung des Forums Innovative Verwaltung fand am 10. Juni 2026 ein Themenforum zum Zusammenspiel von Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung statt. Hoch über den Dächern Wiens bot die Sky Lounge der PORR AG im 10. Wiener Gemeindebezirk den passenden Rahmen für einen offenen Austausch über Genehmigungsverfahren, Verantwortlichkeiten und notwendige Reformen.

Unter der Moderation von Robert Grüneis, Vorstand aspern3420, diskutierten Brigitte Scherz-Schaar, Landesamtsdirektorin der Steiermark, und Karl-Heinz Strauss, CEO der PORR AG. Im Zentrum stand die Frage, wie Wirtschaft und Verwaltung besser zusammenarbeiten können und an welchen Stellen derzeit noch Zeit, Effizienz und Handlungsspielraum verloren gehen.

Verfahren parallel statt nacheinander führen

Karl-Heinz Strauss betonte zunächst, dass die österreichische Verwaltung im internationalen Vergleich grundsätzlich gut aufgestellt sei. Die PORR sei auch mit den Verwaltungsstrukturen zahlreicher anderer Länder vertraut. Im Vergleich dazu würden Verfahren in Österreich oftmals rasch abgewickelt. Dennoch gebe es auch hier erhebliches Verbesserungspotenzial.

Viel Zeit gehe verloren, weil einzelne Verfahrensschritte häufig nacheinander und nicht parallel durchgeführt würden. Zudem verteile sich die Verantwortung auf zahlreiche Ebenen, Behörden, Gutachterinnen und Gutachter sowie unterschiedliche Zuständigkeiten. Dadurch entstehe mitunter der Eindruck, dass Verfahren stärker auf Fehlervermeidung als auf die Suche nach tragfähigen Lösungen ausgerichtet seien.

Aus Sicht der Wirtschaft brauche es daher klar definierte Verantwortlichkeiten und einen stärkeren gemeinsamen Fokus auf das, was möglich ist. Lange Verfahren verursachten nicht nur Verzögerungen, sondern auch erhebliche Kosten. Entscheidungen dürften nicht aus Sorge vor möglichen Fehlern aufgeschoben oder an andere Stellen weitergegeben werden. Auch die Vielzahl an Einspruchsmöglichkeiten und Parteienrechten müsse in diesem Zusammenhang sachlich diskutiert werden.

Genehmigen statt verhindern

Brigitte Scherz-Schaar hielt fest, dass die geschilderten Probleme nicht auf alle Bereiche der Verwaltung gleichermaßen zuträfen. Genehmigungsbehörden seien Genehmigungs- und keine Verhinderungsbehörden. Allerdings seien den Mitarbeiter*innen der Verwaltung durch gesetzliche Vorgaben und umfassende Parteienrechte oftmals die Hände gebunden.

Die Vielzahl an Interessen, Regelungen und rechtlichen Anforderungen mache es schwierig, allen Beteiligten gerecht zu werden. Gleichzeitig brauche es innerhalb der Verwaltung mehr Mut zu Entscheidungen. Ermessensspielräume müssten dort, wo sie bestehen, auch genutzt werden können.

Zusammenspiel Politik und Verwaltung

Einigkeit bestand darin, dass die Verwaltung für mutige und tragfähige Entscheidungen die Unterstützung der Politik benötigt. Best practice ist, wenn die Politik öffentlich und intern zu den Zielen steht, für die sie gewählt wurden, damit klare Rahmenbedingungen schafft und der Verwaltung den Rücken stärkt.

In der Diskussion wurde auch die Frage aufgeworfen, ob tatsächlich neun unterschiedliche Bauordnungen notwendig seien. Gesetzliche Regelungen müssten stärker danach beurteilt werden, was in der Praxis erforderlich und umsetzbar ist. Wer die Verwaltung stärken wolle, müsse ihr nicht nur Aufgaben übertragen, sondern auch die dafür notwendigen rechtlichen und politischen Handlungsmöglichkeiten geben.

Verwaltung ist nicht starr

Scherz-Schaar widersprach dem verbreiteten Bild einer grundsätzlich unbeweglichen Verwaltung. Die Verwaltung entwickle sich laufend weiter, auch wenn dies nach außen nicht immer sichtbar sei. Reformen seien allerdings komplex: Manche Regelungen lägen auf Landesebene, viele entscheidende Rahmenbedingungen würden jedoch auf Bundesebene festgelegt.

Auch ein unzureichender Datenfluss zwischen den beteiligten Stellen könne Verfahren erschweren. Für tatsächliche Verbesserungen müssten daher viele kleine Rädchen ineinandergreifen. Einzelmaßnahmen allein seien meist nicht ausreichend.

Beschleunigung und Rechtssicherheit verbinden

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war das Spannungsfeld zwischen schnelleren Verfahren und Rechtssicherheit. Beschleunigung dürfe nicht zulasten der Qualität gehen. Gleichzeitig könne es nicht sein, dass Verfahren für wichtige und sensible Infrastrukturprojekte zehn Jahre oder länger dauerten.

Kürzere und verbindlichere Fristen könnten ein Teil der Lösung sein. Ebenso wichtig sei es, getroffene Entscheidungen mitzutragen. Wo übergeordnete öffentliche Interessen betroffen seien, müsse die Politik Verantwortung übernehmen und klare Prioritäten setzen.

Auch die personellen Ressourcen der Verwaltung wurden thematisiert. Einerseits müsse die öffentliche Verwaltung schlank, effizient und von unnötigen Regelungen entlastet sein. Andererseits erforderten hochkomplexe Aufgaben ausreichend viele und gut qualifizierte Mitarbeiter*innen.

Effizienz dürfe daher nicht ausschließlich mit Personalabbau gleichgesetzt werden. Gerade bei anspruchsvollen Genehmigungs- und Infrastrukturverfahren brauche es Fachwissen, klare Zuständigkeiten und ausreichende Kapazitäten.

Aus Sicht der Wirtschaft bieten insbesondere die Digitalisierung und Standardisierung von Verfahren große Chancen. Einheitliche Abläufe und ein besserer digitaler Austausch könnten dazu beitragen, Prozesse transparenter und schneller zu gestalten.

Koordination und zentrale Ansprechpersonen

Als möglicher Ansatz wurden Pilotprojekte beziehungsweise neue Formen der Verfahrenskoordination diskutiert. Scherz-Schaar verwies darauf, dass es bei großen Verfahren bereits Koordinator*innen gebe. Die Verwaltung bemühe sich zunehmend, gegenüber Antragstellenden als zentrale Ansprechpartnerin aufzutreten und die beteiligten Stellen besser miteinander zu vernetzen.

Das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Verwaltung funktioniert somit in vielen Bereichen bereits gut. Zugleich zeigte die Diskussion deutlich, dass weiterhin Potenzial für Verbesserungen besteht. Dafür braucht es klare Verantwortung, zeitgemäße gesetzliche Rahmenbedingungen, eine stärkere Digitalisierung sowie vor allem Mut und politischen Willen.

Offene Diskussion und Networking zum Abschluss

Zum Abschluss wurde die Diskussion für Fragen und Wortmeldungen aus dem Publikum geöffnet. Dabei zeigte sich erneut, wie groß das Interesse an einer besseren Abstimmung zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik ist. Die Beiträge aus dem Publikum ergänzten die Diskussion um weitere Perspektiven und praktische Erfahrungen.

Anschließend klang der Abend in angenehmer Atmosphäre bei Speis und Trank aus. Die Gäste nutzten die Gelegenheit, die angesprochenen Themen im persönlichen Gespräch zu vertiefen und sich weiter zu vernetzen.