Nachlese zum 172. Themenforum Wie führt man Teams nachhaltig zum Erfolg

Am 8. September 2026 stand beim 172. Themenforum des Führungsforums Innovative Verwaltung (FIV) im Wiener GÖD-Saal die Frage im Mittelpunkt: „Wie führt man Teams nachhaltig zum Erfolg?“Nach der Begrüßung durch FIV-Präsident Werner Trock führten die Präsidiumsmitglieder Eva Schantl-Wurz und Christian Steger in das Thema ein und stellten die drei Diskussionsgäste vor.

Mit Steffen Hofmann, Geschäftsführer des SK Rapid und ehemaliger Profifußballer, Dietmar Schuster, Vorstandsmitglied der Bundespensionskasse AG, und Doris Pulker-Rohrhofer, Geschäftsführerin des Hafen Wien, trafen drei unterschiedliche Führungsperspektiven aufeinander. Hofmann ist Rekordspieler und Ehrenkapitän von Rapid, war nach seiner aktiven Karriere unter anderem als Trainer und Sportkoordinator tätig und ist nunmehr Sprecher der Geschäftsführung des SK Rapid. Schuster ist Jurist, war in der Wirtschaftskammer sowie in unterschiedlichen Leitungsfunktionen im Finanzministerium tätig und gehört seit 2023 dem Vorstand der Bundespensionskasse an. Pulker-Rohrhofer bringt langjährige Managementerfahrung im Verkehrs- und Infrastrukturbereich mit. Vor dem Hafen Wien war sie unter anderem bei den ÖBB und als Geschäftsführerin des City Airport Train tätig; seit 2016 gehört sie der Geschäftsführung des Hafen Wien an.

Ausgangspunkt der Diskussion waren die vielfältigen Herausforderungen, vor denen die Führungsebene heute steht: Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel und steigender finanzieller Druck. Pulker-Rohrhofer schilderte die besondere Position des Hafen Wien zwischen öffentlichem Auftrag und wirtschaftlichem Erfolg. Als Teil der Wien Holding müsse das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sein und zugleich Verantwortung für die Wiener Infrastruktur übernehmen. Nachhaltige Führung bedeute deshalb auch, Mitarbeiter*innen einzubeziehen und langfristig zu denken. Bei der Auswahl von Führungskräften seien fachliche Kompetenzen zwar wichtig, mindestens ebenso entscheidend seien aber die Persönlichkeit sowie die Frage, ob jemand andere erfolgreich machen kann und zur Unternehmenskultur passt.

Hofmann zog zahlreiche Parallelen zum Profifußball. Bei einem Fußballverein gebe es praktisch jedes Wochenende eine neue „Inventur“ in Form des Spielergebnisses. Bei Rapid komme als Mitgliederverein eine starke emotionale Komponente hinzu – eine Besonderheit, die gleichermaßen schön wie herausfordernd sei. Aus seiner Spielerkarriere habe Hofmann vor allem gelernt, dass jede und jeder Einzelne eigene Interessen habe, nachhaltiger Erfolg aber nur gemeinsam im Team entstehen könne. Führung bedeute für ihn, voranzugehen, positiv zu bleiben und sein Bestes zu geben. Sein pragmatischer Maßstab: Wer an einem Tag eine richtige Entscheidung mehr als eine falsche trifft, hat einen guten Tag gehabt!

Schuster betonte besonders das langfristige Denken. In einer Pensionskasse würden die Früchte heutiger Entscheidungen mitunter erst Jahre später sichtbar. Umso wichtiger seien unterschiedliche Spezialist*innen, gemeinsames Denken und gleichzeitig die Fähigkeit, schnell auf neue Entwicklungen zu reagieren. Führungsfähigkeiten könne man dabei vor allem durch Vorbilder und praktische Erfahrung entwickeln: Man müsse Führung ausprobieren, Fehler machen, diese eingestehen und daraus lernen. Auch externe Unterstützung, etwa durch Trainer*innen, könne dabei helfen, Teams effizienter und erfolgreicher zu machen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war der Umgang mit Druck und der eigenen Energie. Hofmann hob Ruhephasen, persönliche Rituale und Zeit mit der Familie hervor. Pulker-Rohrhofer betonte die Bedeutung von Self-Care und Sparringpartner*innen, da Führungskräfte mit Entscheidungen häufig alleine seien. Gute Führung bedeute zugleich, sich selbst bis zu einem gewissen Grad entbehrlich zu machen. Wie wichtig Wertschätzung sei, zeigte sie anhand eines Projekts am Hafen Wien: Eine interne Informationsveranstaltung verschaffte dem verantwortlichen Team größere Sichtbarkeit und Anerkennung und stärkte dadurch Stimmung und Zusammenarbeit.

In der Publikumsrunde rückten schließlich Konkurrenz, künstliche Intelligenz und die Unterschiede zwischen öffentlicher Verwaltung und Privatwirtschaft in den Fokus. Hofmann sieht gesunden Konkurrenzkampf als wichtigen Motor: Einzelne müssten besser werden wollen, damit letztlich das gesamte Team stärker werden kann. Ein guter Trainer könne eine gute Mannschaft noch ein Stück besser machen – schlechte Führung hingegen einem Team erheblich schaden. Pulker-Rohrhofer ergänzte, dass die Wirtschaft viel vom Sport lernen könne: insbesondere beim konsequenten Training, aber auch beim gemeinsamen Feiern von Erfolgen. Das stärke Identifikation, Sinn und Zusammenhalt.

Auch an einer aktiven Auseinandersetzung mit KI führe kein Weg vorbei. Schuster betonte, dass die Offenheit dafür weniger eine Frage des Alters als der Persönlichkeit sei. Pulker-Rohrhofer berichtete von Anwendungen in Administration, Reporting und Prozessautomatisierung, während Hofmann auf den Einsatz des digitalen Zwillings bei Rapid verwies. In Bezug auf Führung sah Schuster in Verwaltung und Privatwirtschaft mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede: In beiden Bereichen gehe es darum, unterschiedliche Persönlichkeiten und Expert*innen zusammenzubringen, die richtigen Menschen auszuwählen und gemeinsame Werte zu leben.

Der Abend zeigte damit über alle drei Bereiche hinweg eine klare Gemeinsamkeit: Nachhaltiger Teamerfolg entsteht dort, wo Führung Vertrauen schafft, individuelle Stärken zulässt, Lernen ermöglicht und Menschen auf ein gemeinsames Ziel hin ausrichtet.

von Lona Weis