20 Jahre Führungsforum Innovative Verwaltung – Reflexionen aus der Sicht eines Gründungsmitgliedes

Gründungsmitglied und Ehrenpräsident Emmerich Bachmayer nimmt die Ära der zehnjährigen Präsidentschaft von Heidrun Strohmeyer zum Anlass, um über Erreichtes und Gelungenes aber auch künftig Ausbaufähiges im FIV zu resümieren und schließt mit einem zusammenfassenden Befund.

Vorbemerkung

Am 25. Mai 1999, kurz vor Eröffnung einer sogenannten „Verwaltungsinnovationsmesse“ durch die für das „Verwaltungsinnovationsprogramm“ in großkoalitionärer Eintracht zuständigen Politiker Wolfgang Ruttenstorfer, Staatssekretär im Finanzministerium, und Wilhelm Molterer, Bundesminister für Landwirtschaft, fand die Gründungsgeneralversammlung des „Führungsforums Innovative Verwaltung“ statt. In der Spiegelung der politischen Führungsriege wurden Emmerich Bachmayer, Sektionschef im Finanzministerium, und Hans-Günther Gruber, Sektionschef im Landwirtschaftsministerium, zu Präsidenten bzw. Vizepräsidenten gewählt. Als Proponenten des neuen Vereines waren Werner Bauer (Sozialministerium), Werner Eichtinger (Amt der Steiermärkischen Landesregierung), Alfred Finz (Rechnungshof), Wilhelm Harasek (Landesverteidigungsministerium), Wilhelm Kranzelmayer (Wirtschaftsministerium), Otto Oberhammer (Justizministerium), Eduard Pesendorfer, Peter Reinberg (Amt der OÖ. Landesregierung), Reinhard Sladko (Amt der Kärntner Landesregierung) Gerhard Steger (Finanzministerium), Eva-Elisabeth Szymanski (Sozialministerium), Robert Tauber (Amt der Bgld. Landesregierung) und Gerhard Ungersböck (Finanzministerium) eingetragen. Die Idee eines Forums „beamteter“ Führungskräfte wurde vom  „Wirtschaftsforum der Führungskräfte“ entlehnt, das sich bereits in den 1979 als Interessensvertretung der leitenden Angestellten in den privatwirtschaftlichen Unternehmungen etabliert hatte.

In einem Kurzprofil des Vereines wurden die Themenführerschaft für Innovationen in der Verwaltung und in ihrer Führung ebenso angestrebt wie die Vertretung der Anliegen der Führungskräfte der Verwaltung in der Öffentlichkeit. Angesprochen wurden Führungskräfte aller Gebietskörperschaften und der Selbstverwaltungseinrichtungen, Informationsaktivitäten und Erfahrungsaustauschplattformen sollten Mittel zur Erreichung des Vereinszweckes sein, ebenso Kontakthaltung zu ähnlichen Einrichtungen.

Das 20-jährige Bestandsjubiläum bietet sich nun aus der – sehr subjektiven Sicht eines Gründungs- und Pastpräsidenten für einen Evaluierungsversuch an: Was ist  – gemessen an den ursprünglichen Zielvorstellungen – gelungen und erreicht worden, was ist nicht, oder weniger gut gelungen bzw. nicht erreicht worden.

Erreichtes und Gelungenes

Die Mitglieder

Ausgehend von den 24 Gründungsmitgliedern 1999 zählt der Tätigkeitsbericht zur 20. Generalversammlung zum 27.3. 2019  ein beachtliches Wachstum auf 191 ordentliche Mitglieder, 8 außerordentliche Mitglieder, 10 fördernde Mitglieder sowie 5 Ehrenmitglieder. Erwähnenswert ist, dass 7 von 9 Landesamtsdirektoren ebeno Mitglieder sind wie die beiden Generalsekretäre des Städte- und des Gemeindebundes und auch 3 Generalsekretäre von Bundesministerien.

Die Themenforen und Klubabende

Zur inhaltlichen Positionierung und Orientierung der Mitglieder wurden bereits ab Gründung die etwa 8 mal jährlich bei unterschiedlichen Gastgebern abgehaltenen Themenforen etabliert. Bislang 136 Themenforen haben die vielfältigen Bereiche der Verwaltungsführung von der Europäisierung des Verwaltungsraumes über Föderale Aspekte, Qualitäts- und Personalmanagementthemen ebenso wie Digitalisierungs- und Genderfragen unter Heranziehung von jeweils hochkarätigen Experten beleuchtet. Ergänzt wurden die Themenforen durch die „Klubabende“, die im Dachfoyer der  Wiener Repräsentanz der Raiffeisenlandesbank für Oberösterreich seit 2014 stattfinden und dem Informationsaustausch mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft  in einem informellen Rahmen dienen. Bislang haben 11 solcher Klubabende beigetragen, die Problemlagen und Reformansätze der Verwaltungsführung aus Sicht der jeweiligen Gesprächspartner, zuletzt etwa des für den Öffentlichen Dienst zuständigen damaligen Vizekanzlers Strache, der Sicht der Führungskräfte des FIV gegenüberzustellen und zu diskutieren.

Themenforen und Klubabende, die jeweils von bis zu 60 Besuchern frequentiert werden, tragen sehr wesentlich auch zum Informations- und Erfahrungsaustausch der Mitglieder bei und habe damit des öfteren zur Beschleunigung von Problemlösungen beigetragen. Insbesondere die Problemdiskussion von Verantwortlichen der Gesetzesvollziehung mit den Gesetzesvorbereitern über die Grenzen der Gebietskörperschaften und Organisationen erweist sich oft als sehr fruchtbringend.

Die Positionspapiere

Das Know-How der im FIV versammelten Führungskräfte fließt auch in themenbezogene Ausarbeitungen ein, die bereits 1999 in dem Papier „Politik und Verwaltung – Überlegungen zur mittelfristigen Verwaltungsentwicklung“ festgehalten wurden und 2010 als „Wirkungsvolle Verwaltungsentwicklung – Sieben Gebote zur Verwaltungsentwicklung“ überarbeitet wurden.

2011 folgte die „Regeln für eine gute Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung“, 2017 wurde auf Basis einer Umfrage unter betroffenen Verwaltungsexperten in Reaktion auf die Flüchtlings-und Asylkrise 2015/16 ein Positionspapier zum staatlichen Krisenmanagement vorgestellt.

Die Positionspapiere werden regelmäßig den zuständigen Politikern übermittelt und diesen auch persönlich durch die Präsidentin in Begleitung von Präsidiumsmitgiedern – zumeist den Vizepräsidenten – vorgestellt.

Kulturelle Aktivitäten

Beginnend mit der Fotoausstellung „Buraucratics“ im Palais Porcia im Jahre 2011 findet einmal jährlich eine kulturbezogene Veranstaltung in Form von Lesungen, Ausstellungsbesuchen oder Diskussionen statt.

 

Künftig Ausbaufähiges

Die Kooperation mit dem Wirtschaftforum der Führungskräfte

Die Zusammenarbeit mit dem bei der Industriellenvereinigung angesiedelten „Wirtschaftsforum der Führungskräfte“, das ja der Ideenspender für die Gründung des FIV war, ist durch personelle Wechsel in der Führung des WdF vollkommen zum Erliegen gekommen. Eine Wiederaufnahme  der gemeinsamen Seminarveranstaltungen zu Führungsthemen wäre dem Verständnis für die jeweiligen Organisationskulturen und dem Gedanken- und Erfahrungsaustausch sehr förderlich.

Publikationstätigkeit

Ein Gründungsanliegen des FIV war und ist die Aufklärung und Information über die Verwaltungsprozesse und ihre Reformansätze in einer über die Mitglieder hinausreichenden breiten Öffentlichkeit, sei es als Fachöffentlichkeit von Verwaltungsverantwortlichen sei es als Öffentlichkeit von Adressaten des Verwaltungshandelns. Zu diesem Zweck wurde 2002 die Beilage „Verwaltung Innovativ“ der Wiener Zeitung übernommen, die 2009 aus Kostengründen in die Zeitschrift „Die Republik“ übergeführt werden musste. Dieser Zeitschrift war allerdings kein langes Leben beschert, sodass „Verwaltung Innovativ“ seit 2015 als Blog geführt wird, was die Kommunikationsreichweite erheblich einschränkt. Die Gewinnung eines neuen Medienpartners (im Rahmen der budgetären Möglichkeiten) sollte wieder versucht werden, um die Ergebnisse aus den Themenforen und den Podiumsdiskussionen einer breiteren (Fach-) Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Zusammenfassender Befund

 Aus der Sicht eines Gründers (und nunmehrigen Ehrenpräsidenten) ist es eine große Freude,  die außerordentlich positive Entfaltung des FIV in qualitativer und quantitativer Sicht konstatieren zu dürfen. Die Fortführung der Vereines von Mai 2009  bis April 2019 , also volle 10 Jahre, durch eine neue Generation im Präsidium mit der Präsidentin Heidrun Strohmeyer, Bereichsleiterin im Bildungsministerium, an der Spitze, die die Idee der Verwaltungserneuerung auch im Sinne der ständigen Erneuerung des Vereinsgeschehens weitergeführt und umgesetzt hat, ist umso anerkennenswerter, als der politische Rückenwind für substantielle Innovationen des Verwaltungsgeschehens sich zumeist in der Einsparung von Planstellen erschöpft (hatte). Für die nächsten 10 Jahre Präsidentschaft ist Erich Hechtner, Magistratsdirektor der Stadt Wien, viel Erfolg und das Glück des Tüchtigen zu wünschen.

Last not least soll auch der Beitrag der Geschäftsführer/innen und Generalsekretäre/innen zu Wachstum und Aktivitätsprofil des Vereines gewürdigt werden: Gerhard Ungersböck, Markus Nussbaum, Johanna Kleinfercher, Stefan Ritter, Andrea Bock und Thomas Menzel sei an dieser Stelle für ihr großes Engagement gedankt, das sie neben ihren jeweiligen beruflichen Verpflichtungen dem Verein gewidmet haben. Stefan Leeb kann als nunmehriger Vereinsgeschäftsführer auf soliden administrativen – und budgetären – Grundlagen aufbauen.


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